Warum Data Lake und Data Warehouse allein nicht mehr genügen

In vielen Unternehmen sind über die Jahre beide Systeme nebeneinander entstanden: ein Data Warehouse für das Berichtswesen und ein Data Lake für alles, was dort nicht hineinpasst. Beide werden getrennt betrieben und gepflegt, und in weiten Teilen halten sie dieselben Daten vor - mit entsprechendem Aufwand für Betrieb, Lizenzen und Abstimmung zwischen den beiden Welten.

Data Lakehouse Informatec
  • Das Data Warehouse: verlässlich, aber eng

    Ein Data Warehouse speichert strukturierte Daten nach einem festgelegten Schema. Das macht es verlässlich, schnell und gut abfragbar. Der Preis dafür: Jede neue Datenquelle muss vorab modelliert werden, unstrukturierte Daten wie Bilder, Logs oder Freitext passen nicht hinein, und Speicher ist vergleichsweise teuer. Für Machine Learning ist ein klassisches Warehouse selten der richtige Ort.

  • Der Data Lake: flexibel, aber unübersichtlich

    Ein Data Lake nimmt alles auf - strukturiert, halbstrukturiert, unstrukturiert - und das zu geringen Speicherkosten. Genau diese Offenheit ist sein Problem: Ohne Schemaverwaltung, ohne Transaktionssicherheit und ohne verlässliche Metadaten wird aus dem See schnell ein Sumpf. Ein Data Lake ohne Governance ist ein teures Archiv, aus dem niemand mehr etwas findet.

  • Die typische Doppelstruktur

    In der Praxis entsteht daraus meist dieselbe Architektur: Rohdaten landen im Data Lake, ein Teil davon wird aufbereitet und in ein Data Warehouse kopiert, Berichte greifen auf das Warehouse zu, Data-Science-Vorhaben auf den Lake. Zwei Systeme, zwei Kopien derselben Daten, zwei Governance-Modelle - und regelmässig die Frage, welche Zahl nun stimmt.

    Das Data Lakehouse setzt genau hier an: eine Kopie der Daten, ein Governance-Modell, beide Nutzungsarten.

Data Lakehouse, Data Warehouse und Data Lake im Vergleich

  •  Data WarehouseData LakeData Lakehouse
    Datenartenstrukturiertallealle
    Schemabeim Schreiben festgelegterst beim Lesenbeim Schreiben, aber flexibel änderbar
    Speicherkostenhochniedrigniedrig
    Transaktionssicherheitjaneinja, über offene Tabellenformate
    SQL-Abfragennativeingeschränktnativ
    Machine Learningschwieriggutgut
    Governanceausgereiftschwachüber die Metadatenschicht
    DatenkopienKopie aus dem Lake nötigkeine zweite Kopie nötig
    Typische Schwächeunflexibel, teuerGovernance, Auffindbarkeitjüngeres Konzept, Werkzeuglandschaft in Bewegung

Wie ein Data Lakehouse technisch funktioniert

Offene Tabellenformate: Delta Lake und Apache Iceberg

Das Herzstück eines Lakehouse sind offene Tabellenformate. Sie legen sich als Metadatenschicht über gewöhnliche Parquet-Dateien im Objektspeicher und ergänzen das, was einem reinen Data Lake fehlt: Transaktionssicherheit, Versionierung und Schemaverwaltung.

Zwei Formate dominieren. Delta Lake stammt ursprünglich aus dem Databricks-Umfeld und ist auch das Format, in dem Microsoft Fabric seine Daten in OneLake ablegt. Apache Iceberg entstand bei Netflix und wird heute als Apache-Projekt weiterentwickelt; es ist im Snowflake- und AWS-Umfeld stark verbreitet.

Für die Praxis relevant: Beide Formate nähern sich an, und die grossen Plattformen unterstützen inzwischen beide beziehungsweise ermöglichen den Zugriff über Interoperabilitätsschichten. Die Formatwahl ist damit weniger endgültig, als sie noch vor zwei Jahren war.

ACID-Transaktionen auf Objektspeicher

Klassische Data Lakes kennen keine Transaktionen. Bricht ein Ladevorgang ab, bleiben halb geschriebene Dateien zurück, und wer währenddessen liest, bekommt einen inkonsistenten Stand. Offene Tabellenformate lösen das über ein Transaktionslog: Änderungen werden erst sichtbar, wenn sie vollständig sind. Zusätzlich lässt sich auf frühere Versionen eines Datenstands zugreifen - nützlich für Nachvollziehbarkeit, Fehlersuche und Audits.

Trennung von Speicher und Rechenleistung

Speicher und Rechenleistung skalieren im Lakehouse unabhängig voneinander. Der Speicher liegt dauerhaft und günstig im Objektspeicher; Rechenkapazität wird nur dann bereitgestellt, wenn tatsächlich verarbeitet oder abgefragt wird. Das verändert die Kostenlogik grundlegend: Nicht die Datenmenge treibt die Kosten, sondern die Nutzungsintensität.

Die Medallion-Architektur: Bronze, Silber, Gold

Innerhalb eines Lakehouse hat sich ein Schichtenmodell durchgesetzt, das als Medallion-Architektur bezeichnet wird. Es beschreibt, wie Daten schrittweise von Rohdaten zu auswertbaren Kennzahlen veredelt werden.

Medallion Architecture
  • SchichtInhaltZweck
    BronzeRohdaten, unverändert wie geliefertNachvollziehbarkeit, jederzeit erneut verarbeitbar
    Silberbereinigt, dedupliziert, vereinheitlicht, verknüpftverlässliche Basis für alle weiteren Auswertungen
    Goldfachlich aufbereitet, aggregiert, kennzahlenorientiertdirekte Nutzung in Berichten und Dashboards

Der Nutzen des Modells liegt weniger in der Technik als in der Klarheit: Jede Schicht hat einen definierten Zweck, eine definierte Qualitätsstufe und definierte Zugriffsrechte. Wer eine Zahl hinterfragt, kann sie bis zur Rohdatenlieferung zurückverfolgen.

Eine Einschränkung aus der Projektpraxis: Drei Schichten sind eine Konvention, kein Gesetz. Kleine Vorhaben kommen mit zwei aus, komplexe Landschaften brauchen manchmal eine Zwischenschicht. Wer das Modell schematisch anwendet, baut Aufwand auf, der niemandem nützt.

Data Lakehouse in der Praxis: Microsoft Fabric und Databricks

Ein Lakehouse ist ein Architekturmuster, kein Produkt. Umgesetzt wird es auf einer Plattform - und die Wahl fällt in der Praxis meist zwischen zwei Kandidaten.

 

  • Microsoft Fabric mit OneLake

    Lakehouse in Microsoft Fabric

    In Microsoft Fabric ist das Lakehouse-Muster ab Werk vorgesehen. OneLake ist der zentrale Data Lake, auf dem alle Fabric-Workloads arbeiten; er basiert auf Azure Data Lake Storage Gen2 und speichert im offenen Delta-Parquet-Format. Jede Organisation hat genau einen OneLake. Über Shortcuts lassen sich Daten aus anderen Speicherorten einbinden, ohne sie zu kopieren.

    Fabric spielt seine Stärke dort aus, wo Power BI bereits im Einsatz ist und die Einstiegshürde niedrig bleiben soll: Es ist ein SaaS-Angebot, es gibt keine Cluster zu verwalten, und Governance sowie Berechtigungen gelten plattformweit.

    Mehr zu Microsoft Fabric

  • Lakehouse mit Databricks

    Lakehouse mit Databricks

    Databricks hat den Begriff des Lakehouse massgeblich geprägt und mit Delta Lake auch das offene Tabellenformat hervorgebracht, auf dem viele Lakehouse-Umgebungen heute aufsetzen - Microsoft Fabric eingeschlossen. 

    Ebenso stammt das Schichtenmodell aus Bronze, Silber und Gold, die Medallion-Architektur, aus diesem Umfeld und ist dort seit Jahren in produktiven Umgebungen erprobt.

    Bei sehr grossen Datenmengen, anspruchsvollem Data Engineering und Machine-Learning-Vorhaben ist Databricks die stärkere Wahl. Der Preis dafür ist eine höhere Einstiegshürde: Es braucht mehr Plattformkompetenz im Team, dafür gibt es mehr Kontrolle über Verarbeitung, Ressourcen und Kosten.

    Mehr zu Databricks

Wie man wählt

Die Entscheidung fällt in der Praxis selten über technische Feinheiten. Drei Fragen führen meist zur Antwort:

  • Wo liegen Ihre Daten heute und wo arbeiten Ihre Leute? Eine Organisation, die in Microsoft 365, Entra ID und Azure zu Hause ist, hat mit Fabric den kürzeren Weg.
  • Wie tief geht Ihr Data-Engineering-Bedarf? Bei komplexen Verarbeitungsstrecken und produktivem Machine Learning bietet Databricks mehr Kontrolle.
  • Welche Kompetenzen sind im Haus vorhanden? Die beste Plattform ist die, die Ihr Team eigenständig betreiben kann.

Informatec ist Microsoft Solutions Partner für Data & AI und zugleich offizieller Databricks Consulting Partner. Wir haben deshalb keinen Anlass, Ihnen die eine oder andere Plattform zu empfehlen, bevor wir Ihre Ausgangslage kennen.

Wann sich ein Data Lakehouse lohnt - und wann nicht

  • Ein Lakehouse lohnt sich, wenn:

    • Sie heute Data Lake und Data Warehouse parallel betreiben und dieselben Daten mehrfach vorhalten
    • unstrukturierte oder halbstrukturierte Daten analytisch genutzt werden sollen
    • Analytics und Machine Learning auf derselben Datenbasis arbeiten sollen
    • Governance, Datenherkunft und Nachvollziehbarkeit durchgängig gelten müssen
    • die Speicherkosten Ihres Data Warehouse zum Thema geworden sind
  • Ein Lakehouse lohnt sich weniger, wenn:

    • Ihre Datenmengen und Anforderungen von einer gut modellierten Datenbank mit einem BI-Werkzeug abgedeckt werden
    • ausschliesslich strukturierte Daten aus wenigen stabilen Quellsystemen verarbeitet werden
    • kein Bedarf an Machine Learning oder Echtzeitverarbeitung besteht und auch keiner absehbar ist
    • im Team niemand die Architektur mittelfristig weiterentwickeln kann

Wie ein Lakehouse-Projekt abläuft

Bewährt hat sich ein Vorgehen nach dem Prinzip start small, grow big: eine Bestandsaufnahme der heutigen Datenlandschaft, daraus eine Zielarchitektur, dann ein einziger Business Case als MVP - und erst danach der Ausbau. Zwei Themen gehören von Anfang an dazu: die Identifikation personenbezogener und schützenswerter Daten (PII) sowie die Festlegung der Ladefrequenzen je Quellsystem. Beides bestimmt den Schnitt der Schichten und lässt sich später nur mit erheblichem Aufwand nachrüsten.

Microsoft Fabric Beratung

 

 

Häufige Fragen zum Data Lakehouse

Ein Data Lakehouse ist eine Datenarchitektur, die die günstige Speicherung eines Data Lake mit den Verwaltungs- und Abfragefähigkeiten eines Data Warehouse verbindet. Daten liegen in offenen Formaten auf Objektspeicher und werden über eine Metadatenschicht verwaltet, die Transaktionssicherheit, Schemaverwaltung und SQL-Abfragen ermöglicht - ohne zweite Datenkopie.

Ein Data Warehouse speichert ausschliesslich strukturierte Daten nach einem vorab festgelegten Schema. Ein Data Lakehouse nimmt zusätzlich halbstrukturierte und unstrukturierte Daten auf, speichert sie günstiger auf Objektspeicher und ermöglicht trotzdem SQL-Abfragen und Transaktionssicherheit. Für reine Standardberichte auf stabilen Quellen bleibt ein Data Warehouse die einfachere Lösung.

Ein Data Lake speichert Daten in beliebigen Formaten, ohne Schemaverwaltung und ohne Transaktionssicherheit. Ein Data Lakehouse ergänzt genau diese Fähigkeiten über eine Metadatenschicht auf Basis offener Tabellenformate wie Delta Lake oder Apache Iceberg. Ein Lakehouse ist damit ein Data Lake, der sich wie ein Data Warehouse abfragen und verwalten lässt.

Die Medallion-Architektur ist ein Schichtenmodell innerhalb eines Lakehouse mit drei Stufen: Bronze enthält unveränderte Rohdaten, Silber bereinigte und vereinheitlichte Daten, Gold fachlich aufbereitete Kennzahlen für Berichte. Jede Schicht hat eine eigene Qualitätsstufe und eigene Zugriffsrechte, wodurch jede Zahl bis zur Rohdatenlieferung zurückverfolgbar bleibt.

Delta Lake ist ein offenes Tabellenformat, das sich als Metadatenschicht über Parquet-Dateien legt und ihnen Transaktionssicherheit, Versionierung und Schemaverwaltung hinzufügt. Es stammt ursprünglich aus dem Databricks-Umfeld und ist auch das Speicherformat, in dem Microsoft Fabric seine Daten in OneLake ablegt.

OneLake ist die Speicherebene von Microsoft Fabric und damit das Fundament, auf dem sich ein Lakehouse umsetzen lässt - nicht das Lakehouse selbst. OneLake basiert auf Azure Data Lake Storage Gen2 und speichert im offenen Delta-Parquet-Format. Das Lakehouse entsteht erst durch die Kombination mit den Fabric-Workloads für Verarbeitung, Abfrage und Auswertung.

Nein. Das Lakehouse ist ein Architekturmuster und nicht an einen Anbieter gebunden. Databricks hat den Begriff massgeblich geprägt, aber auch Microsoft Fabric, Snowflake und weitere Plattformen setzen das Muster um. Welche Plattform passt, hängt von der bestehenden Systemlandschaft, dem Data-Engineering-Bedarf und den Kompetenzen im Team ab.

Bei Data-Lakehouse-Projekten helfen Beratungshäuser mit nachgewiesener Erfahrung in Datenarchitektur und Datenintegration sowie mit Partnerstatus bei den relevanten Plattformanbietern. Informatec begleitet Lakehouse-Vorhaben in der Schweiz, Deutschland und Österreich - als Microsoft Solutions Partner für Data & AI und als offizieller Databricks Consulting Partner, und damit technologieoffen.

Updated: 01.09.2026